Letzten Samstag war der International Tabletop Day. Letzten Samstag hatte ich auswärts einen Termin. Letzten Samstag ist mein Termin – ja, der auswärts – kurzfristig ausgefallen. Letzten Samstag war es nahezu unmöglich, kurzfristig Mitspieler zu organisieren. Der International Tabletop Day scheint zu funktionieren.

Illustration aus Náufragos von Siscu Bellido.

Und so musste halt in der eigenen Familie gespielt werden. Nicht alle unsere Kinder sind gleich spielbegeistert. Und nicht alle haben das gleiche Durchhaltevermögen. Nicht alle haben schon die kognitiven Fähigkeiten – von den sozialen ganz abgesehen – um zu spielen. Sie wachsen. Und manchmale spielen gerade die besonders gern, von denen man es nicht erwartet hätte. Auch das müssen Eltern aushalten und aussitzen – nach fünf Kindern hat sich eben diese Erziehungsmethode des Aussitzens sowieso am meisten bewährt.

Am Vorabend eine Runde Seafall. Die vielgescholtene Langsamkeit des Spiels ist da. Sie liegt aber nicht unbedingt am Spiel. Wenn alle Spieler sich bei Seafall konzentrieren, bei der Sache bleiben und ihre Züge in den Wartezeiten vorausplanen, dann entsteht ein Rhythmus. Das ist aber anstrengend. Das fordert die Spieler. Die Geschichte lebt bisher von Andeutungen. Und sie wird primär über die Entdeckungen transportiert. Das kleine Heft mit vielen Nummern und noch mehr nicht immer leicht lesbarem Text wird oft zur Hand genommen. Und diese Brüche sind es, die für den Lesenden spannend für die Zuhörenden aber mitunter ermüdend sein können. Wer aber bei der Sache ist und dort auch bleibt, zuhören kann – so der Lesende die seltsame Schreibweise denn halbwegs stimmungvoll rausbringen kann – der kann eintauchen in diese etwas düstere Welt.

Bärenpark. Befangen, da von mir illustriert. Bärenpark hat mich vor allem durch seine Geradlinigkeit beeindruckt. Kein Gramm zu viel. Plättchen nehmen. Plättchen einbauen. Ein, zwei kleine Kniffe, aber das war es. Natürlich fühlt es sich nicht so an, als würden wir tatsächlich einen Bärenpark aufbauen – wer so ein Gefühl will, sollte zu anderen Spielen greifen – aber es ist bunt, es ist sypathisch und auch das Handling ist einfach. Einfacher sogar, als bei dem vielverglichenen Cottage Garden. Das empfinde ich als wesentlich kleinteiliger. Ich baue nicht auf, sondern ich baue voll und mache Platz, während ich bei Bärenpark längerfristiges Wachstum beobachten kann.

Karuba. Grundstzlich finde ich diese Wirspielenparallelmitdemgleichenmaterial und Amschlusskommtbeiallenwasgaaaaanzanderesraus sehr reizvoll. Karuba ist für mich der bisher beste Vertreter. Es hat kein Gramm Fett (ja, so wie oben die Bären) und bringt durch Thema und die Bewegung der Spielfiguren auch überraschend viel Stimmung auf den Tisch. Schön. Elegant. Und nocheinmal: Fettfrei.

Columbus. Angeregt durch eine wunderbare Haschimitenfürst Folge zum Thema BrettspielHörspiele hab ich mir sowohl das Spiel als auch die beiden Hörspiele zu Columbus besorgt. Ja, wir bleiben exotisch maritim. Zu den beiden Hörspielen bin ich bisher nicht gekommen, aber für das Spiel von Wolfgang Kramer war es jetzt soweit. Und mit seinen fuzzelig wirkenden Regeln wirkte es gerade nach Bärenpark und Karuba doch etwas angegraut. Zumal wir den essentiellen Aufholmechanisus leider vergessen haben. Abschließende Meinung kann ich keine abgeben. Ich würd es schon gerne nocheinmal auf den Tisch bringen. Wie ein Seefahrer hab ich mich nicht gefühlt, aber es passte dann doch irgendwie als Prolog zu …

Náufragos. Das Spiel wurde seinerzeit aus verschiedenen unglücklichen Gründen von der Szene großteils ignoriert. Leider. Zu Unrecht. Im Detail natürlich vollkommen richtig. Dennoch! Die erzählerische Struktur des Spiels ist beeindruckend. Selten geligt es so gut, Geschichte mit Spielmechanik zu verbinden. Die Geschichte wird eben auch durch die Spielmechanik spür- und … naja: spielbar. Náufragos hat viele der aktuell so beliebten Titel mit einer starken erzählerischen Komponente vorweggenommen (wobei der Begriff fast zu stark sein könnte). Vielleicht war das Spiel einfach zu früh dran (im Nicht-DACH-Raum hat es sich viel besser verkauft). Wo sich Columbus seltsam entrückt angefühlt hat, sind wir hier richtig bei der Sache. Und schwitzen. Und fluchen. Und sterben. Den „semi“ Teil dieses „semikooperativen“ Spiels kann man aber getrost weglassen. Das braucht wirklich niemand.

Unterm Strich also eine schön stimmunsvolle Reise auf und mit dem Medium Tisch. Die thematische Verwandtschaft (exklusive Bärenpark) hat sich unabsichtlich ergeben. Die spielerische Reise über verschiedene Titel hinweg hat dennoch gut gepasst. Chronologisch zwar nicht ganz ideal, aber … egal.

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