In den letzten Wochen kamen überraschend viele Spiele auf den Tisch. Dies mag am feinen Wetter liegen, oder an der Torschlusspanik … schließlich geht jetzt die heiße Heueristessennochfrüherunddasspielmussfertigwerden-Phase los. D.h. ich lasse die Rollläden herunter, werfe ein Hörspiel in meinen hochgeschätzen VLC-Player und werkl was das Zeug hält. Und deshalb quasi als wehmütiger Abschluss ein erster kleiner Rückblick aufs Gespielte:

Wiedergespielt: Defenders of the Realm ist ja bekanntlich Pandemie mit Fantasy, Würfeln und viel 80er Flair, aber trotzdem so viel mehr. So ähnlich die Mechanismen sind, so unterschiedlich sind die im Kopf entstehenden Bilder. Nicht jede Charakter-Kombination spielt sich gleich leicht/flüssig/schwer, aber dennoch: Bei keinem Spiel geht es in meinem Kopf mehr ab. Die Bilder sind epochal-unschuldig. In etwa so, als würde ein 10 Jähriger seinen ersten Fantasy-Roman lesen. Gut vs. Böse? Check! Knappe Kleider, große Busen? Check! Comic-Sans? Check!

Neugespielt: Dead Man tell no Tales: Die Goonies werden gerade 30 und der einäugige Willie hätte seine Freude mit dem Plündern brennender Schiffe. Kooerativ versuchen wir, Schätze von Bord zu holen, Feuer in Schach zu halten und nebenbei Geisterskelettpiraten zu besiegen. DMtnT bietet eigentlich alles, aber bisweilen auch eine Spur zu viel. Oder besser: Im Detail nicht intuitiv genug. Trotzdem passt das Spiel. Es zeigt schön: Tolle Themen mit bekannten Mechanismen für eine klare Zielgruppe (via kickstarter) kann gut funktionieren. Optisch 1A, made in China zeigt DMtnT wie  die amerikanische Spielschule (Themaaaaa) und die europäische (Mechanismen) zusammenfunktionieren können.

Dead Man tell no Tales ist besser als Flash Point, weil … Geisterpiraten auf einem brennendem Schiff einfach ein Eizerl cooler sind als Feuerwehrmänner, die ja eigentlich eher Wasser aus Kellern pumpen und vermurte Straßen reinigen, als Backdraft-like fesche Frauen aus brennenden Häusern zu retten.

Dead Man tell no Tales ist schlechter als Defenders of the Realm, weil … düster-detaillierte Piraten-Optik nicht mit Larry Elmore Illus und Grafikdesign aus den 80ern mithalten kann. Wäre DMtnG mit einer Goonies Lizenz ausgestattet, sähe die Sache allerdings anders aus.

Oft neugespielt: (Irgendein Vorgeplänkel) Marco Polo: 3 Tage, 3 Partien. Genau genommen genau nix Neues, aber das so fein abgestimmt, abgemischt und abgehansimglückt, dass es eine wahre Freude ist. Vor allem, dass jeder Charakter (in den untersch. Spieleranzahlkombinationen) ein neues Spiel(gefühl) erzeugt, ist beeindruckend. It’s Cosmic Encounter, stupid! Aber trotzdem. It’s Zug um Zug, stupid! Aber weniger, als man zu Beginn vermutet. It’s the new Italieneische Schule, stupido!. Die funktioniert zwar nicht immer, aber wenn sich der zuständige Verlag Zeit nimmt, die wilden Gesten der Südeuropäer zu bändigen, dann hat das enormes Potential.

Marco Polo ist besser als die letzten beiden „großen“ HiG Spiele, weil … es mehr Abwechslung als die Dampfmaschinen bietet und Abwechslung als die Sonnenanbeter. Merkt man ein Muster?

Marco Polo ist schlechter als … in dieser Mischung fällt mir ehrlich gesagt nichts ein. Und das, obwohl sich alles so bekannt anfühlt. Und Bora Bora habe ich leider(?) noch nicht gespielt.

Neugespielt: Da Luigi … wir bleiben in Italien. Naja eher in einem italienischen Restaurant in Mitteleuropa, wenn man die auf den Karten abgebildeten Kunden so betrachtet. Da Luigi fühlt sich nach einer ersten Partie verdächtig brav an. Wir werden das nocheinmal mit den Kindern spielen (müssen), um ein abschließendes Geschmacksurteil treffen zu können. Grundsätzlich möcht ich es schon mögen, aber es war gefühlsarm. Und das darf italienisches Essen auf keinen Fall sein.

Und dann natürlich Olréans: Spannend war die Lernkurve unseres Sohnes (10): Einmal zuschauen und ab und an eine Frage einwerfen und das war es auch schon. Der Zugang zu Orléans ist tatsächlich sehr flutschig; das war mir zu Beginn gar nicht so bewusst und genau hier hab ich das Spiel vermutlich auch unterschätzt. Und ich muss auch zugeben: Mit den Holzfiguren spielt es sich nocheinmal eine Ecke besser. Nicht nur weil die Haptick so schön anzieht, sondern auch ganz pragmatisch: Arbeiter aus der letzten Runde werden vor der Planungsphase umgelegt umgekippt … die faulen Säcke!

So … mehr vielleicht demnächst.