Ich bin ja ein leidenschaftlicher 80er Hörspiel-Freund – Kassettenkind nennt sich das mittlerweile – und hab in den letzten Jahren auch diverse Defizite aufgeholt. Oft gemeinsam mit unseren Kindern. Die Drei ???, die ich als Kind weder las noch hörte, haben eingeschlagen wie eine Bombe. Und auch wenn die neuen Fälle nicht mehr die archetypische Magie der ersten Episoden haben, kann sich der Hörer ob der schieren Masse an Folgen dem Zusammenwachsen mit den drei Jungs kaum entziehen. Und drum landen auch Drei ??? Brettspiele am Tisch. Immer wieder, weil’s die Kinder wollen und wenn schon in der eigenen Umgebung keine ordentlichen Verbrechen passieren, dann bitte wenigstens am Spieltisch. Eine kleiner, kurzer Querschnitt.

Ach ja: Hinter allen drei erwähnten Spielen stecken namhafte AutorInnenEhepaarInnen – etablierte Profis, die ihr Handwerk verstehen. Das ist schon einmal schön, bedeutet dies doch, dass es sich keinesfalls um Lizenzgurken handelt. Immer wieder und das ist schon nocheinmal schön: Lizenzen werden im Brettspielbereich wesentlich behutsamer behandelt, als bei digitalen Spielen. Das hat viele Gründe. Und das ist nicht das Thema. Und noch ein „Ach ja:“ Zwei der drei Spiele sind nicht mehr erhältlich. Der Gebrauchspielemarkt hilft aber weiter – zu äußerst günstigen Konditionen.

Die drei ??? – Das Geheimnis der Geisterinsel ist vom Ehepaar Brand, ist fein komponiert, haptisch reizvoll und das Spiel zum ersten Kinofilm. Aus Design-Sicht bemerkenswert und eigentlich auch sehr gelungen sind die unterschiedlichen spielerischen Strukturen, die verschiedene Abschnitte des Films abbilden. Das Finish kann dramatisch spannend sein. Oder eindeutig. Macht aber nix, denn der Weg dorthin und der damit verbundene Rhythmuswechsel bereitet Kindern viel Freude. Und es gibt eine Code-Drehscheibe. Und Code-Drehscheiben sind nie etwas Schlechtes. Das wissen wir seit Monkey Island (auch eine Insel!) und werden derzeit in den EXIT Spielen (auch vom Ehepaar Brand!) dran erinnert.

Die drei ???: Das verfluchte Schloss gehört zum zweiten Kinofilm und ist von Steffen Bogen der u.a. das Spiel des jahres „Camel Up“ und das Kinderspiel des Jahres „Schnappt Hubi“ entwickelt hat. Und Bogen ist immer wieder ein Garant für ausgefallene Ideen. Hier sind es Zahnräder, die das namensgebende Schloss drehen. Spannend. Verwirrend. Hochkonzentriert versuchen wir also, das Rätsel zu lösen. Diesmal allerdings kooperativ. Gestalterisch hätte aber mehr drin sein müssen. Was übrigens für alle Drei ??? Spiele gilt, die sich verständlicherweise an das klare Design der Buch-/Hörspielcover halten müssen. Was nachvollziehbar ist, erweist sich bei Brettspielen allerdings als Nachteil. Mehr Thema. Mehr Illus. Kinder (und auch Erwachsene) tauchen dann leichter in die Geschichte ein.

Die drei ??? und der Feuerdiamant ist von Reiner Knizia. Und das kann alles und nix bedeuten. In diesem Fall eher „viel“: Viele alte Bekannte aus den Hörspielen. Viele Plätze aus/in Rocky Beach. Viel Zusammenarbeit (kooperativ) und auch viel Varianz. Und eine App Unterstützung hat das Ding auch. Die haben wir allerdings nicht ausprobiert; ich will nicht Fotos vom Material machen … das ist umständlich und hemmt den Fluss. Macht aber nix, denn von den drei genannten Titeln bietet es den höchsten Wiederspielreiz. Ein wenig narrativer könnte es sein; die nötigen Strukturen wären da, aber trotzdem: Dank justierbarem Schwierigkeitsgrad kam der Feuerdiamant bisher am öftesten auf den Tisch. Und auch wenn Fingerabdrucklauffelder (oder sind es Zehenabdrücke?) ganz und gar nicht stimmig sind: Auch gestalterisch hat dieser Teil die Nase vorn – dank keiner Film-Lizenz.

Also: Alle drei Spiele sind fein. Mit allen drei Spielen werden Drei ??? Freunde ihre Freude haben. Kinder und Erwachsene (Jungendliche hören keine Hörspiele).

Und jetzt eine Portion Kirschkuchen.

Ach ja … hier noch zwei Literaturempfehlungen für Nostalgiker und Unbedarfte:

„Das Erbe der Kassettenkinder“ ist leider nur mehr gebraucht erhältlich. Aber schön strukturiert und durchaus gehaltvoll.

„Die drei ??? und die geheimen Bilder: 175 Cover und ihre Geschichte“ ist ein herrlicher Bildband.