So. Die Spiel in Essen ist vorbei und damit schließt sich der Jahreskreis für analoge Spielerinnen. Ich war diesmal nur drei Tageauf der Messe. Genug, um meine subjektiven Highlights aufzulisten, zu wenig, um die irre Besucherzahl von 209.000 zu bestätigen. Ich konnte nur bis Freitag Abend mitzählen, aber es dürfte schon stimmen. Also: 8 Highlights, zufällig gereiht. Und 8 Versuche „Highlight“ immer irgenwie falsch zu schreiben.

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Heighlight 1: Twitter. Ich bin ja auf twitter durchaus aktiv, habe aber – nachdem mein altes Handy nach nachhaltigen 8 Jahren die Tasten zu verlieren begonnen hat – auch auf ein stromfressendes Smartphone umgesattelt. Und diese parallel kommunizierende Welt – ich mag den Begriff Twitterblase nicht sonderlich – der kleinen weißen Vögelchen lebt zur Messezeit auf. Ja, da flattern sie vor blauem Himmel. Schön wird es allerdings, wenn man die Menschen hinter den tweets trifft.

Highlicht 2: Menschen. Essen ist eben auch ein jährlicher Treffpunkt einer mittlerweile internationalen Szene. Uns so hab ich mich etwa gefreut, den großen Julian und den kleineren, aber genauso lieben Roman zu treffen (die zwei Jungverlagsgrüner mit dem Verlag mit der Eins drin). Oder die spanischen Illustratoren (siehe unten), oder Menschen, die mir Bier geben (meeplecast), oder Menschen, die ihren Hochzeitsantrag via Grand Austria Hotel gemacht haben (hoffentlich demnächst mehr im Ausguck), oder Menschen, die meine Ohren rot werden lassen, weil sie draufkommen, wer ich bin und sich ganz ehrlich drüber freuen (Man vs. Meeple). Und natürlich auch Menschen, die man „sowieso“ immer sieht, also alle Leut von Lookout, dlp, Surprised Stare Games, Asmodee, Hans im Glück, frosted, Hobby Japan und natürlich den Marmeladenmeister C. Tisch.

Highleigt 3: (Sichtbare) Inklusion. Die Hallen und vor allem die Gänge in Essen sind bisweilen erdrückend voll. Tatsächlich lockerte es sich in diesem Jahr durchaus auf; die Messeorganisation erkannte die Probleme der letzten Jahre und hat durch neue Hallen und ein neues Einlasssystem ganz erfolgreich gegengesteuert. Vielleicht waren es also gar nicht mehr Menschen in Rollstühlen, sondern ich konnte sie einfach besser sehen. Und umgekehrt bedeutet dies ja, dass diese wiederum mehr Platz zum navigieren hatten. Wie auch immer. Wichtig ist und bleibt: Analoge Spiele können und wollen und sollen ein Hobby für alle Menschen sein. Und wenn das auch auf der Messe sichtbar wird, umso schöner.

Heileit 4: Eigene Spiele. Mein facebook Posting mit Spielen bei denen ich mitarbeiten durfte, hat durchaus für Rückmeldung gesorgt. 2018/19 kam mir relativ ruhig vor. Dennoch waren ausreichend Neuheiten von bzw. mit „mir“ auf der Messe. Und einige Spielen, die lediglich Grafiksupport aus dem atelier198 bekamen. Und wieder einmal wunderbar: Fast alle(?) Spiele passen in mein Beuteschema. Und im Kleinen bildet sich ab, was auch im Großen zu sehen ist: Seit Jahren geht das Angebot in die Breite und in die Tiefe. Inhaltlich. Thematisch. Wer sich auf die Messe vorbereiten will, sollte zuerst in sich gehen und gezielt nach den eigenen Vorlieben Ausschau halten. Ein Gesamtüberblick ist nahezu unmöglich geworden. Lieber auf BGG diverse kompakte Listen spielseelisch Verwandter durstöbern, als ein zu hochgestecktes Ziel zu verfolgen. Und keine Sorge: Auch wenn das eine oder andere unanständige Angebot übersehen wird („Lorenzo“ für 15 € und „Yunnan“ angeblich sogar irgendwo für 3 €) und der Geheimtipp dann doch ausverkauft ist … sehr gute Spiele kommen wieder. Vielleicht nicht so günstig oder auch etwas anders, aber dennoch … nix Existenzbedrohendes.

Heihleigt 5: Grafikertreffen. Tatsächlich stark männerlasig. Aber zu einem Bier mit Maura sag ich nie nein. AUch wenn wir immer etwas brauchen, um uns an unsere Dialekte zu gewöhnen.

Hai-Light 6: SdJ Abend. Trotz bösen Kopfschmerzen, die tatsächlich nichts mit dem Grafikerbier zu tun hatten, hab ich mich auf den SdJ Abend geschleppt. Dort wird zwar viel gespielt, aber tatsächlich schätze ich vor allem die Gespräche mit lieben Menschen (siehe 2).

Haylight 7: Spanische Grafiker. Ich mag die Jungs. Und einer davon hat für den spanischen Markt die Neuauflage von „Notre Dame“ gepinselt. Ungalublich schön. So sehr ich Harald Lieskes Original auch schätze, aber das … hach, wird das schön werden.

High Leid 8: Spiele Loot. Da wir in diesem Jahr per Zug anreisten, war unsere Kapazität beschränkt. Und dank Onkel Tony mussten wir dann doch den Paketservice auf der Messe bemühen. Der funktioniert 1A und hat mir meine „Snowdonia-Totschlagbox“ und ein „Alurabi“ – Mist, immer! – „Alubari“ sicher ganz nah an die slowenisch-ungarische Grenze geliefert. Uwe hat mir noch einen Held in Strumpfhosen für Zwei in die Hand gedrückt und nachdem wir es einfach nicht schafften, uns zum Spieletauch zu treffen, hab ich mir „Sierra West“ und Jonny Pac Cantin sich „Newdale“ einfach so gekauft. Ansonsten gab es noch meine jählriche Dosis irongames – „Pandoria“ ist eines unserer 2018er Highlights (gemerkt?). Kaufen wollte ich schließlich noch „Factory Funner“ von Cwali, hab’s aber schlussendlich einfach vergessen.

Und als Fazit: DAS Messe-Highlight-Spiel gab es scheinbar nicht. Aber dafür extrem hohe Qualität. In allen Bereichen. Optisch sowieso und vermutlich auch inhaltlich. Der Branche scheint es gut zu gehen. Die Veranstaltung wächst konstant und die durchaus auch von mir heraufbeschworene Blase scheint einfach nicht platzen zu wollen. Natürlich gelingt nur wenig Spielen, sich daueraft zu positionieren und natürlich ist ein Bestseller vor allem für kleine und mittlere Verlage total wichtig, aber tatsächlich scheinen sich die Verlage dessen immer mehr bewusst zu werden (auf mich hört ja keiner) und pflegen ihre Marken, bedienen ihre Zielgruppen und verkaufen in Essen was daz Zeug hält. Die hohe Spanne beim Direktverkauf ermöglicht es, das neue Spielejahr wirtschaftlich gut anzugehen. Und weil es gerade passt und jedes Jahr kommt: Nein, nicht die Verlage sind gierig. Rohstoffpreise gehen nach oben. Kosten steigen an allen Ecken und Enden. Was ich jedes Jahr bei Stanztableaus tricksen muss, damit wir ja noch den einen Cent sparen können, um ja nicht zuuu teuer zu werden … die Erwartungshaltung an die Ausstattung ist gar schnell gewachsen. Relativbilligproduktion in China und kickstarter (wo Großteils nur direkt an Endkunden verkauft wird) haben unsere Ansprüche ziemlich steil nach oben getrieben. Da kommen klassische Verlage, die gerne in Europa produzieren, viel Redaktion machen, Angestellte haben und eben auch an den Handel denken, kaum mehr mit.